Tätlicher Angriff in Leipziger Straßenbahn: Polizei schließt politisches Motiv nicht aus

Am Montagabend ist ein 30-Jähriger in Leipzig am Bayrischen Platz von zwei Personen angegriffen und mutmaßlich mit einem Messer verletzt worden. Die Polizei ermittelt zu den Hintergründen, hält aufgrund der Herkunft der Täter auch politische Motive für möglich.

Der Angriff auf einen 30-Jährigen am Montagabend am Bayrischen Platz (Zentrum-Süd) in Leipzig sorgt weiter für Aufsehen in der Stadt. Der aus dem Iran stammende Mann war von Rettungskräften mit Stichverletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Die Polizei ermittelt laut eigener Aussage gegen zwei aus Syrien stammende Männer mittlerweile auch bezüglich eines möglicherweise politischen Motivs. Der genaue Grund für die Attacke werde aktuell aber noch ermittelt.

Laut eines Behördensprechers war der Betroffene in einer Straßenbahn von zwei anderen Personen erst bedroht und anschließend nach dem Aussteigen am Bayrischen Platz aus der Bahn mit einem „spitzen Gegenstand“ verletzt worden. Einer der beiden Täter, 21 Jahre alt, konnte noch in Tatortnähe gestellt werden. Der zweite Angreifer befinde sich weiter auf der Flucht.

Politische Gruppen greifen Fall auf – Täter sollen Opfer belauscht haben

Zur genauen Identität des Opfers machen die Behörden keine Angaben. Der LVZ liegen aber Informationen vor, wonach der gebürtige Iraner kurdischer Abstammung sein soll. Selbiges behaupten auch mehrere politische Gruppen, die Informationen zum Übergriff in sozialen Netzen verbreiten. Demnach soll der Angriff im Kontext der Militäraktionen der syrischen Übergangsregierung gegen die von Kurden selbstverwaltete Region Rojava im Nordosten Syriens stehen.

So wird dabei behauptet, die beiden aus Syrien stammenden Tatverdächtigen hätten das Opfer in der Straßenbahn belauscht und den 30-Jährigen letztlich als Kurden identifiziert. Nach einigen antikurdischen Äußerungen, die zum Streit geführt haben sollen, seien die Angreifer dann auf ihn losgegangen. Die Polizei bestätigt diese Behauptungen bislang nicht, verweist darauf, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind.

Syrische Truppen kämpfen gegen kurdische Selbstverwaltung

Seit Wochen gibt es Kämpfe in der Region – immer wieder werden auch Waffenstillstandsabkommen gebrochen. Das Gebiet Rojava in Nordsyrien ist neben Regionen in der Türkei, im Iran und im Irak Siedlungsgebiet der Kurdinnen und Kurden. Von hier aus hatten kurdische Kampftruppen maßgeblich auch Erfolg bei der Vertreibung des Islamischen Staates (IS) aus Syrien.

In Nordostsyrien droht durch den Angriff nun allerdings auch eine humanitäre Katastrophe und das Ende der kurdischen Selbstverwaltung. In Deutschland hat es deshalb schon mehrere solidarische Demonstrationen gegeben, so vergangene Woche in Leipzig. Der Protest verlief friedlich, teilweise gab es aber auch hier bereits Angriffe auf die prokurdischen Beteiligten. Auch in anderen Teilen Deutschlands kam es in den vergangenen Tagen und Wochen aufgrund der Situation in Rojava zu offenen Konflikten zwischen Syrern und Kurden.

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lvz
25.01.2026

2000 Menschen bei pro-kurdischer Demo in Leipzig

Hunderte Menschen haben unter dem Motto „All eyes on Kobane“ am Samstagabend in Leipzig demonstriert. Dabei kam es zu Einschränkungen für Autofahrer im Innenstadtbereich.

Am Samstag haben unter dem Motto „All eyes on Kobane“ Hunderte Menschen in Leipzig demonstriert. Wie die Polizeidirektion Leipzig mitteilte, wurde der Aufzug von Einsatzkräften der Bereitschafts- und Verkehrspolizei abgesichert. Am Sonntag sprach die Polizei von 2000 Teilnehmern in der Spitze.

Die Versammlung stand offenbar im Zusammenhang mit Kämpfen zwischen Truppen der syrischen Übergangsregierung und kurdisch dominierten Kräften im Nordosten des Landes. Auch bestand ein Bezug zur aktuellen politischen Situation im Iran. Der Demonstrationszug startete am Rabet und führte über die Eisenbahnstraße und den Willy-Brand-Platz. Rund um die Strecke kam es zu Verkehrseinschränkungen. Gegen 20 Uhr endete die Demonstration am Augustusplatz. Dort kam es laut Polizei zum illegalen Einsatz von Pyrotechnik, als zwei Raketen in den Himmel geschossen wurden. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, konnten die Einsatzkräfte einen Tatverdächtigen feststellen. Verletzt wurde niemand.

Ansonsten sei die Demonstration friedlich geblieben.

Konflikt zwischen und Kurden und syrischen Regierungstruppen dauert an

Der aktuelle Konflikt in Syrien besteht seit ungefähr einem Jahr, nachdem der Langzeitmachthaber Baschar al-Assad von syrischen Rebellen der islamistischen Miliz „Hajat Tahrir al-Scham“ gestürzt worden war. Seitdem gibt es immer wieder Kämpfe zwischen den Truppen der Übergangsregierung aus Damaskus und den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) im Norden und Nordosten Syriens. Auch in der nordsyrischen Stadt Kobane verschlechtert sich die humanitäre Lage nach Angaben von lokalen Behörden und Aktivisten zunehmend.